Lerninsel

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Die Lerninsel

Schwächen beheben – Stärken stärken

Nach einer knapp einjährigen Planungsphase ist neben den Ergänzungsstunden in den Hauptfächern der Klassen 5 und 6, der Hausaufgabenbetreuung, der Vorbereitung auf die DELF-Prüfung, der Berufswahlvorbereitung, der Streitschlichtung und verschiedener AG-Angebote in diesem Schuljahr (2007/08) ein weiteres Programm zur individuellen Förderung angelaufen.

Bevor das Konzept im Einzelnen erläutert wird, sollen an dieser Stelle zunächst einige mögliche Fallbeispiele für Fördermaßnahmen in unserer neuen Lerninsel gegeben werden.

Erstes Fallbeispiel:
Mäxchen Müller aus der 6b ist im laufenden Schuljahr operiert worden und konnte die Schule 14 Tage lang nicht besuchen. Es stehen Klassenarbeiten an und ihm fehlt ein wichtiger Teil des Unterrichtsstoffs. Mäxchen kommt zweimal wöchentlich nachmittags in die Lerninsel und arbeitet dort mit Fachlehrern den verpassten Lerninhalt auf. Es reicht für Mäxchen, dass er drei Wochen lang gefördert wird, um dann ohne weitere Unterstützung wieder den Anschluss an die Klasse zu finden.

Zweites Fallbeispiel:
Monika Meier, Schülerin der 5a, ist neu an unserer Schule und hat deutliche Probleme in ihrem Arbeitsverhalten (Heftführung, Organisation, Hausaufgaben usw.) und daraus resultieren erste mangelhafte Leistungen in schriftlichen Arbeiten. Sie braucht eine unterstützende individuelle Betreuung, die sie über einen längeren Zeitraum begleitet, und findet diese in der Lerninsel.

Drittes Fallbeispiel:
Paulchen, Elvira und Johanna sind Schüler der Klasse 10c. Laut Aussage des Fachlehrers haben sie alle das gleiche Problem mit den Flächensätzen am rechtwinkligen Dreieck. Es handelt sich um Stoff der Klasse 9, der als Voraussetzung für verschiedene Bereiche der Klasse 10 dient. Der Fachlehrer hat bereits eine Wiederholungsstunde durchgeführt, aber den o.g. Schülern fällt das Thema nach wie vor schwer. Sie treffen sich nun vier Wochen lang, einmal wöchentlich, mit einem Mathematiklehrer in der Lerninsel, um dort einerseits Wissenslücken aufzuarbeiten, andererseits aber auch einen Weg und Materialien kennen zu lernen, um in Zukunft selbstständig an ähnlichen Schwierigkeiten arbeiten zu können.

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Wie funktioniert das Konzept?

Der Dreh- und Angelpunkt des Konzepts ist die neu eingerichtete Lerninsel. Ein Raum, den wir mit Hilfe der Gemeinde, der Schülervertretung und Unterstützung von außerhalb umgestaltet haben, um eine schöne Arbeits- und Lernatmosphäre zu schaffen. Unseren Schülerinnen und Schülern soll es leicht fallen, auch nachmittags hierher zu kommen und an ihren Problemen zu arbeiten.

In der Lerninsel erwartet die Schülerin oder den Schüler ein Team von Lehrerinnen und Lehrern sowie älteren Schülerinnen und Schülern, die sich ganz individuell mit den vorhandenen Schwierigkeiten auseinander setzen, um dann ein genau abgestimmtes Förderprogramm zu entwickeln.

Wer in die Lerninsel kommen soll, entscheidet der jeweilige Fachlehrer. Er erkennt Schwierigkeiten zuerst und kann beurteilen, ob eine Schülerin oder ein Schüler Hilfe benötigt. Der Fachlehrer hat dann die Möglichkeit, über einen der beiden Lerninselkoordinatoren einen Platz in der Lerninsel zu reservieren. Dieses Konzept hat den Vorteil, dass der Fachlehrer deutlich entlastet wird. Ihm wird nicht abverlangt, innerhalb des Klassenverbandes mit bis zu 34 Schülerinnen und Schülern auf umfangreichere individuelle Schwierigkeiten einzugehen. Er füllt lediglich einen Beobachtungsbogen aus, den er an einen der Koordinatoren weitergibt. Die Erarbeitung eines Förderprogramms obliegt dann den Lehrerinnen und Lehrern in der Lerninsel, die mit wesentlich kleineren Schülergruppen arbeiten können. Über die Koordinatoren findet ein ständiger Austausch zwischen allen Beteiligten statt, und sie haben stets einen Überblick über den Förderbedarf an der Schule. Sollte bei einer Schülerin oder einem Schüler in mehreren Fächern die Notwendigkeit einer Förderung bestehen, kann der Koordinator z.B. ein Beratungsgespräch anbahnen.

Ein weiterer Vorteil des Konzepts ist, dass es flexibel ist und Schülerinnen und Schüler tatsächlich nur nach Bedarf fördert. Lassen sich Schwierigkeiten fachlich eingrenzen, so kann eine Förderung für ein bis zwei Stunden ausreichen. Freiwerdende Plätze kann der Koordinator sofort mit anderen Schülerinnen und Schülern besetzen.

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Die älteren Schülerinnen und Schüler, die als Lernhelfer fungieren, sind von den Lehrern der Jahrgänge 9 und 10 vorgeschlagen worden sind. Sie zeichnen sich nicht nur durch ordentliche Leistungen in den Unterrichtsfächern aus, sondern verfügen auch über eine entsprechende soziale Kompetenz, die es ihnen ermöglicht, sich auf Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Jahrgänge und Charaktere einzustellen und manchmal auch den schwierigen Platz „zwischen den Stühlen“ des Vermittlers und Schülers einzunehmen. Alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler haben sich bereit erklärt, für mindestens ein Halbjahr an dem Projekt teilzunehmen und einen Nachmittag in der Woche für die Lerninsel bereit zu stehen.

Wir fördern mit der Einbeziehung der Schülerinnen und Schüler als Lernhelfer das Bewusstsein für soziales Engagement. Gleichzeitig eröffnen wir ihnen auch die Möglichkeit, das eigene fachliche Wissen auf die Probe zu stellen und auszubauen. Durch die regelmäßige Wiederholung des alten Unterrichtsstoffs bereiten sich unsere älteren Schülerinnen und Schüler unbewusst auf die zentralen Prüfungen am Ende der Klasse 10 vor. Darüber hinaus ist der Aspekt des „Learning by teaching“ für sie von unschätzbarem Wert. Auch dieses verstehen wir als Förderung. Hier allerdings werden die stärkeren Schülerinnen und Schüler gefördert.

Lerninsel-92Das gesamte Programm wird von den Koordinatoren begleitet und dokumentiert. Für alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler werden Protokollbögen angelegt, auf denen die Anzahl der Förderstunden sowie in Kurzform die Inhalte der Maßnahmen festgehalten werden. Diese lückenlose Dokumentation ermöglicht am Ende eines Schuljahres eine Auswertung des Förderbedarfs, aus der eine weitere Optimierung der Arbeit erfolgen soll.

Die Erfahrungen der ersten Unterrichtswochen bestätigen die Vorzüge des Konzepts. Offensichtlich genießen alle Beteiligten die ruhige und konzentrationsfördernde Lernatmosphäre. Den Lehrerinnen und Lehrern sieht man die Befriedigung an, die sie durch die intensive Arbeit mit den „Lerninsulanern“ erfahren. Nur selten hat man als Lehrer die Gelegenheit, sich so ruhig und fokussiert mit einzelnen Schülerinnen und Schülern zu befassen. Selbiges gilt auch für unsere „Insulaner“. Sie kommen gern und gehen mit einem Gefühl der Erleichterung, da sie einen Schritt nach vorn gemacht haben. Endlich einmal hat ein Lehrer etwas mehr Zeit für ihre individuellen Schwierigkeiten und auch unsere Lernhelfer fühlen sich herausgefordert und wachsen mit ihrer Aufgabe.